Und wieder kein schönes Wochenende

Der gestrige Sonntag verlief wieder mies.

M. ging es wieder nicht gut. Wir fuhren ins Krankenhaus in die Notfallambulanz. Wieder mal. Dabei hatten wir jetzt so lange Ruhe damit und alles schien doch nun für längere Zeit so gut zu laufen. Aber wie es aussieht, dürfte einem wohl ein bisschen Glück immer nur für kurze Zeit vergönnt sein. Man könnte sich ja wohl sonst daran gewöhnen. Und irgendwo gibt es irgendjemanden oder irgendwas, der dies zu verhindern weiß. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die ganze Woche hat er sich nicht optimal gefühlt. Ok. Das kommt öfter mal für kurze Zeit vor, aber diesmal ist es anders als sonst. Darum gehört das abgeklärt.

Also verbrachten wir unseren Nachmittag in der Ambulanz. Warten, warten, warten. Man sitzt herum oder geht nervös auf und ab.

Rausgekommen bei dem Ganzen ist, so wie M. es ja wieder vermutet hat, nicht wirklich was. Es wurde lediglich festgestellt, dass keine Akutsituation bestand, eine Vermutungsdiagnose gestellt, die alles andere als aufbauend ist und die Empfehlung gegeben, einen Internisten zur weiteren Abklärung zu konsultieren. Auf Einzelheiten will ich hier nicht eingehen, da ich nicht weiß, ob ihm das recht ist.

Auch wenn es nicht mich selbst betrifft, habe ich in solchen Situationen immer irgendwie das Gefühl, dass man ziemlich alleine gelassen wird. Leider Gottes hab ich mit solchen Dingen schon viele Erfahrungen gemacht. Ob bei mir selber oder bei Angehörigen. Jetzt heißt es, bei einem Internisten einen Termin auszumachen, der wahrscheinlich irgendwann in ferner Zukunft liegt, weil sie ja alle mit den Terminen immer „komplett voll“ sind. Die Warterei bis dahin ist ja nicht nur nervig, sondern je nach Situation ja auch oft mit Angst verbunden, es könnte in der Zwischenzeit was fatales passieren. Da hilfts auch nicht, wenn man sagt, es gehe einem schlecht, bzw. wenn man schon eine Vorgeschichte hat und manchmal nicht mal sehr viel, wenn man den Ordinationsbesuch privat bezahlt.

Erst gestern im Krankenhaus dachte ich mir, dass ich es gar nicht mehr zählen kann, wie oft ich schon in den diversesten Krankenhäusern war. Nicht nur ich persönlich als Kranke, sondern wegen anderen. Auf Besuch in normalen Zimmern wie auch auf Intensivstationen. Diese bangen Momente vor dem Besuch, die Gedanken, wie es ihm/ihr heute geht, wie es weitergeht. Auch danach beim nach Hause gehen, die selben Gedanken. Zu Hause das schreckliche Zusammenzucken, wenn das Telefon läutet, weil man Angst hat, vom Spital eine schlechte Nachricht zu bekommen. Das Warten mit diesen Personen bei Untersuchungen oder eben in Notfallambulanzen. Und auch hier die Ängste und Sorgen, was dabei herauskommt.

Leider gab es seit meiner Jugend in meinen Leben unzählige Sitauationen und viele Jahre, die von Krankheiten in der Familie überschattet wurden. Wenn ich so zurückblicke, waren die Zeiten, wo „alles in Ordnung“ war, verdammt kurz. Und dazwischen ging es mir dann oft auch selbst hie und da nicht gerade so gut.

Doch all diese Dinge betrafen vornehmlich die „Alten“. Das klingt jetzt vielleicht abwertend, ist aber keinesfalls so gemeint. Ich meine damit nur, dass man hier zumindest in gewisser Weise von einem „natürlichen Verlauf des Lebens“ sprechen kann. Nun sind im Prinzip die meisten der „Alten“, die mir sehr viel bedeutet haben schon gestorben. Deren Tod war von mir meist auch nicht leicht zu verkraften. Dennoch dachte ich, dass jetzt mit „Krankheiten“ endlich mal Ruhe sein müsste. Dass eigentlich die „nächsten“ ja wir selber sein würden, denn auch das wäre im Grunde genommen der natürliche Verlauf des Lebens. Dass ich mich jetzt um einen viel jüngeren Menschen in dieser Weise sorgen muss, hätte ich nicht erwartet. Nicht einmal wirklich ich, als eingefleischte Pessimistin. Denn solche Schicksale passieren ja immer nur den anderen, aber nicht einem selbst. So sind wir Menschen eben.

Ich schreibe das alles hier in meinem Blog, weil ich einfach das Bedürfnis dazu habe. Ich wüsste nicht, wem ich das sonst erzählen sollte. Mir hilft es meist doch ein bisschen, wenn ich über Probleme reden oder schreiben kann.  Und der Vorteil beim Blog ist ja, dass ich keinen damit auf die Nerven gehe, denn es wird ja niemand gezwungen, ihn zu lesen. Wer mag kann und wer nicht mag, lässt es eben.

Das Ganze hört bzw. liest sich vielleicht, als wenn ich mir selbst am meisten Leid tue. Natürlich bin ich mir bewusst, dass sehr wohl auch etwas Egoismus mitschwingt. Ich denke mir halt, warum muss immer irgendwas sein. Ich hab eh auch an meiner eigenen Krankheit zu knabbern und an vielen persönlichen Problemen mit mir selbst, denen ich nur schwer Herr werde. Warum muss denn immer wieder was dazukommen?  Ich möchte doch einfach nur ein ganz normales Leben haben. Aber selbstverständlich bin in diesen Situationen nicht ICH die Arme, sondern IMMER der Betroffene selbst. Das möchte ich auf jeden Fall betonen.

Zurück bleibt trotzdem wieder Angst und dieses oft sehr lang anhaltende flaue Gefühl in der Bauch- und Magengegend. Ich glaube, ich habs schon einmal geschrieben: ich hasse es!

Mir hat kürzlich jemand gesagt, der meine Ängste nicht nachvollziehen kann: „Es ist doch schrecklich, wenn man zeitlebens fast immer nur Angst hat. Das ist doch kein Leben!“

Ja – das stimmt!

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Und vielen Dank an diejenigen, die sich meinen „Jammer-Blog“ antun!

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Über Gabi

Ich bin hundenarrisch, fotografierwütig, Weinviertel-Liebhaberin, bergbegeistert, USA- und Australien Fan und in der Malerei versuche ich mich auch. Mein Blog: https://baumdaemon.wordpress.com/
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4 Antworten zu Und wieder kein schönes Wochenende

  1. sucherin schreibt:

    Liebe Gabi, dass tut mir wirklich leid für Dich, dass Du nun seit Pfingsten anscheinend nicht viele gute Tage gehabt hast. Auch wenn ich nicht genau weiß, was bei Dir und in Deiner Familie los ist, denke ich ganz fest an Dich und wünsche Dir recht schnell auch bessere Stunden. Vielleicht kann es ja im Moment nur besser werden, oder?
    Viele liebe Grüße

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  2. dreamsandme schreibt:

    Liebe Gabi,

    beim Durchlesen deiner Zeilen hatte ich eigentlich immer nur eine Frage. Wieso glaubst du, dass die Betroffenheit durch eine Krankheit beim Erkrankten selbst aufhört? Vor allem finde ich, dass das eben genau das Gegenteil von Egoismus ist. Mitgefühl, Mitleid, Mitanteilnahme…Je schlimmer die Krankheit, desto größer die Kreise, die sie zieht. Mit Jammern haben deine Gedanken nicht viel zu tun. Solche Zeiten rauben einem so viel Kraft, stopfen dich mit schlechten Emotionen voll, diese müssen einfach raus. Und wer dafür kein Verständnis hat, der hat so etwas noch nicht mitgemacht!
    Du hast es außerdem noch doppelt schwer, eigene Krankheit und auch noch Krankheit in der Familie. Bei mir ist das so, dass alle um mich rum stark sind und wenig eigene Probleme haben. Sie können mich leicht „mit- und ertragen“. Deshalb musst du nicht so hohe Ansprüche an dich selbst haben. Stark sein ist gut, schwach sein aber nur allzu menschlich!

    Ich wünsche euch bald bessere Zeiten!

    Bei einem Privatarzt bekommt man schnellere Termine, aber kostet halt ziemlich viel. Hoffe, ihr müsst nicht allzu lange auf einen warten!

    Liebe Grüße,
    Sunny

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  3. Gabi schreibt:

    Danke liebe Sunny, es tut gut, wenn jemand Verständnis für sowas aufbringt.

    Um gleich noch ein bisschen beim „jammern“ zu bleiben: bei uns ist halt so manches ein bisserl kompliziert. Es sind leider nicht alle Menschen so, wie Du und ich zum Beispiel. Wir brauchen es, über unsere Sorgen und Ängste zu sprechen. Und manche mögen das überhaupt nicht. Treffen so verschiedene Charaktären in einer Familie zusammen, wirds schwer. Mißverständnisse und manchmal sogar Streiterein sind dann vorprogrammiert, obwohl man ja eigentlich helfen will. So mancher mag gar nicht bemitleidet werden. Vielleicht weil er dann das Gefühl hat, schwach zu sein. Keine Ahnung, wieso.
    Hier den goldenen Mittelweg zu finden, ist halt nicht immer leicht.

    lg Gabi

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    • dreamsandme schreibt:

      Verstehe was du meinst, liebe Gabi! Menschen sind verschieden und auch wenn man noch so sensibel ist, man kanns nicht jedem recht machen. Da hilft manchmal, dass man eben das Angebot für einen da zu sein macht, aber sich gleichzeitig dann emotional zurückzieht.
      Ja, ist nicht leicht…

      Liebe Grüße,
      Sunny

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