Australien – 6.11.2001 – Sydney – Centre Point Tower und City Spaziergang

„Oben“ und „unten“.

Der 4. und gleichzeitig unser letzter Tag in Sydney war nun angebrochen. Tags darauf ging die Reise weiter nach Melbourne.

Außer dem Besuch des „Centre Point Tower“ und ein gemütlicher, weiterer Spaziergang durch Sydneys Einkaufsstraßen und Kaufhäuser , war diesmal nichts Gröberes mehr geplant.

Das morgendliche Ritual war nun fast schon Routine, obwohl schön langsam so manches bei der Kleidung und all dem anderen Zeugs, was ich so mithatte, in ein leichtes Durcheinander kam. Man darf ja nicht vergessen, dass wir immer nur wenig Zeit in unseren Zimmern verbrachten und auch abends meist sehr spät nach „Hause“ kamen. Der Umstand, dass wir beide ja nicht alles aus den Koffern ausgeräumt hatten, erwies auch nicht unbedingt als sehr hilfreich. Dauernd kramschte ich in irgendeinem Koffer herum, schlichtete von da in den Rucksack oder umgekehrt oder von dem einen in den anderen Koffer, in der Hoffnung mehr Übersicht zu bekommen, tauschte volle Filmrollen gegen leere aus, versuchte, die einen nicht mit den anderen zu verwechseln und ständig musste ich koordinieren, damit nacheinander alle Akkus geladen werden konnten. Dass das nur während unserer Anwesenheit im Zimmer möglich war und nur ein Adapter da war, erleichterte die Sache so gar nicht. Auch wenn es von meiner Seite zeitweise etwas chaotisch zuging, klappte es im Großen und Ganzen ja doch. Poldi hatte seine Sachen relativ gut im Griff. Er ließ sich durch meine, wahrscheinlich für andere undurchschaubare und planlos wirkende  Organisiation nicht anstecken und fand auch genügend Zeit sich in der Zwischenzeit durchs australische Fernsehen zu zappen. – Irgendwas muss ich da wohl gehörig falsch machen.

Wie immer, trafen wir uns alle in der Früh in der Hotelhalle und marschierten – ja genau, die Pitt Street entlang, aber diesmal in die andere Richtung! Etwa 500 m in einer Parallelstraße befindet sich der Hauptbahnhof Sydneys, von dem am nächsten Tag unser Zug nach Melbourne abfuhr.

Es war ja so, dass unsere Reise bis ins Detail, was Übernachtungen, Zugfahrt, Mietauto, Flüge und der Tagesausflug später auf Kangoroo Island belangte, geplant und gebucht waren. Somit war der größte Teil der Reise schon vorab bezahlt. Natürlich kann dies den Nachteil haben, dass man immer zu einem bestimmten Zeitpunkt bei einem bestimmten Hotel sein musste. Aber bei einer Gruppe von mehreren Personen ist das einfacher so. Zu zweit wäre es wohl kein Problem gewesen, auch ohne Reservierung ein Hotelzimmer zu finden, aber bei 8 Personen schaut es vielleicht schon anders aus. So ersparte man sich zumindest später die tägliche „Herbergssuche“, die, wenn es recht blöd hergeht, unter Umständen auch unnötige Zeit in Anspruch nehmen kann. An Ausgaben kamen nur mehr die Verpflegung, das Benzin für die Mietautos, zusätzliche Ausflüge, Besichtigungen und was man sich persönlich sonst nocht kaufte, dazu.

Also waren auch die Tickets für die Bahnfahrt schon bezahlt und wir wollten wissen, ob das auch in Ordnung ging. Darum der Gang zum Hauptbahnhof. Immer wenn es bei Erkundigungen oder Fragen um was Wichtiges ging, musste die arme Christl „dran glauben“, weil sie am besten englisch sprach. Aber Gerhard und ich, ebenfalls des englischen halbwegs mächtig, begleiteten sie jedes mal, weil doch 3 Paar Ohren unter Umständen mehr hören und mehr verstehen, als 1 Paar. Wir reihten uns also brav zu dritt vor dem Schalter im Bahnhof auf und mussten feststellen, gar nichts war in Ordnung. Dem Angestellten lagen leider keine Bestätigungen vor. Die australische Agentur hatte die Bahntickets noch nicht bezahlt. Doch der freundliche Herr kümmerte sich dann darum und brachte die Angelegenheit zu einem guten Abschluß. Um 13 h konnten wir dann die Tickets abholen.

Erst einmal beruhigt über die ganze Sache stand einem letzten Stadtbummel nichts mehr im Wege und wir marschierten wieder Richtung Innenstadt.

Nun waren wir ja doch schon ein paar Tage in Sydney unterwegs und der Linksverkehr sollte uns ja nicht mehr ganz so fremd und „verkehrt“ vorkommen. Nicht als Autofahrer, denn diese Erfahrung stand uns ja noch bevor und es sollte sich noch weisen, wie gut oder wie schlecht das dann klappen würde. Aber als Fußgänger hatten wir immerhin schon einige Kilometer zurückgelegt. Auf den Gehsteigen ist es ja selbstredend auch kein Problem. Funktioniert ja da nicht anders als zu Hause. ABER! Die Tücken lauerten dann, wenn man eine Straße überqueren musste. Insbesondere bei kleineren, ungeregelten Kreuzungen oder irgendwo mitten im Straßenverlauf, wo es keine Fußgängerampel gab.

In den Kindertagen wurde es uns eingebläut und in den Jahrzehnten, in denen wir nun schon auf Erden verweilen und aktiv am Straßenverkehr teilnehmen, hat es sich in unsere Köpfe so eingehämmert, sodass es einfach automatisch geschieht: beim Überqueren einer Straße schaut man zuerst links und dann rechts!  – Und auf einmal ist alles verkehrt!

Natürlich funktioniert es, wenn man sich konzentriert. Aber, wer ist das schon dauernd! Man schaut, sinniert oder tratscht mit den anderen, steigt vom Gehsteig, während man nach links blickt, sieht kein Auto kommen, will weitergehen und kriegt kurz darauf einen halben Herzinfarkt, weil einem wieder mal ein Autofahrer anhupt, der sich für uns völlig überraschend von rechts nähert. Und jedem von uns 8 erging es immer wieder mal so. Im Grunde genommen waren wir am Ende direkt erstaunt, dass keiner von uns je niedergefahren wurde.

Auf stark befahrenen Straßen stellte das Ganze auch eher kein Problem dar. Durch den stetigen Verkehrsfluß sah man ja automatisch, woher die Fahrzeuge kamen. Aber wehe, die Straßen waren schwach befahren, dann – siehe oben. Interessant übrigens wie schnell jeder von uns immer zurückhüpfen konnte. 🙂 – Alles nur eine Sache des Überlebeneswillens. 🙂

Selbst an geregelten Kreuzungen mit Fußgängerampeln waren wir das eine oder andere Mal von den Abbiegern überrascht, die sich schon wieder einmal von der falschen Seite her an uns heranschlichen.  -Aber, na gut. Wir habens ja überlebt, wie man sieht!

Den Australiern, insebesonde den Sydneysidern, dürften dieses Problem mit den Touristen aus Übersee wohl bekannt sein. Im Zentrum stand an so manchen Straßenrändern, genau dort, wo man vom Gehsteig runtersteigt wenn man die Fahrbahn überqueren will, in großen, weißen Lettern geschrieben: „Look right!“ – versehen mit einem Pfeil in die besagte Richtung. 🙂

Die stark frequentierten Kreuzungen waren aber sowieso alle mit Fußgängerampeln geregelt. Gut möglich aus dem Grund, damit die Nerven der heimischen Autofahrer geschont werden. 🙂 Wer will schon dauernd einen Touristen als Kühlerfigur auf seinem Auto sitzen haben!

Was mir damals auffiel – naja, es war ja auch nicht zu überhören – waren die sehr lauten Signale für die Sehbehinderten an den Fußgängerampeln. Selbst wenn es rot war,  gab es gut hörbar in größeren Taktabständen ein knatterndes Geräusch. Bei grün, steigerte sich die Lautstärke auf gut das doppelte und die Geschwindigkeit des Knatterns aufs drei- oder vierfache. Es hörte sich fast an wie ein Maschinengewehr und das konnte keiner überhören. Ich fand das wieder mal faszinierend.  Aber nicht nur ich, denn warum sonst findet man so viele Videos von diesem „Phänomen“ auf „YouTube„? 🙂 Ich denke zwar, dass es Ampeln mit Signale für Blinde bei uns auch schon gab (so hinterwäldlerisch waren wir auch wieder nicht!), aber nicht in diesem Ausmaß, dieser Häufigkeit und dieser Lautstärke. Mittlerweile hat sich da auch schon wieder einiges geändert. Nach der Grünphase blinkte bei den australischen Fußgängerampeln das Rotlicht, um anzuzeigen, dass man zügig die Fahrbahn verlassen soll und nicht wie bei uns das Grünlicht. Ich sags ja – alles verkehrt!

So, nun genug vom Verkehr, fürs Erste.

Jetzt wollten wir uns mal in luftige Höhen begeben, deswegen machten wir uns auf den Weg zum „Sydney Tower“ und erreichten diesen Gott sei Dank auch unfallfrei. 🙂 War ja auch nicht schwer. Er befindet sich in einer Seitengasse der Pitt Street, also nicht weit vom Hotel entfernt.

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Offiziell heißt er eigentlich schlicht und einfach „Sydney Tower“. Bei den Australiern hat sich aber der Name „Centrepoint Tower“ oder ganz einfach kurz „Centrepoint“ eingebürgert. Vermutlich weil der Turm eben am „Centrepoint“ (Standort)  in der Marketstreet 100 steht.

Eigentlich steht er da ja nicht alleine herum. Sein untester Teil ist gar nicht freistehend, sondern ragt aus dem „Centrepoint Shopping Centre“ heraus, welches bereits 1972 mit 52 Shops eröffnet wurde. Mittlerweile beherbergt das Einkaufscentre weit mehr als 100 Geschäfte.

Der Turm selbst wurde erst 1981 eröffnet. Als Funktion ist er ein Sendeturm und mit seiner Höhe bis zur Antenne von 305 m (zum Vergleich, unser „Donauturm“: 252 m), nach dem „Skytower“ in Auckland der zweithöchste Fernsehturm auf der Südhalbkugel. Auf ca. 250 m Höhe befinden sich die Aussichtsplattformen, die auch zwei Restaurants und ein Café beinhalten. Bis 2001, also das Jahr, wo wir dort waren, wurde der Turm auch „AMP-Tower“ genannt, weil die Firma bis dahin das Shopping Centre managte.

Sydney Tower – Wikipedia
Blog.Sydney-Australien.de

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Das Centrepoint Shoping Centre mit dem Sydney Tower von der Pitt Street aus gesehen.  Das Foto wurde mir freundlicherweise von den „Schmidts in Down Under“ zur Verfügung gestellt.

Da wir nun natürlich „hinauf“ wollten, mussten wir erstmals ins Gebäude des Shopping Centres hinein. Wir kauften also die Tickets wahrscheinlich auch damals schon zu einem stolzen Preis (aktuell: 25,- AUD). Doch bevor man zum Lift kam, musste man durch eine Kontrolle, damit man nichts „Gefährliches“ mit nehmen konnte. Tja, und unsere Elfie war wohl abermals so eine „gefährliche Kandidatin“. Sie hatte wieder ihren „Flachman“ bei sich und der durfte nicht mit, deswegen wurde er ihr abgenommen. Was an dem kleinen Fläschchen so bösartig sein soll, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Hatten sie etwa Angst, sie könnte da oben damit alle betrunken machen und dann die Herrschaft über den Turm übernehmen? Oder dass sie mit dem Metallfläschchen jemanden bewußtlos schlägt? Da hätte ich mit meiner überschweren Fototasche weit mehr Wirkung erzielt Aber na gut, so ist es eben und war ja auch nichts Tragisches.

Nachdem wir nun endlich alle keine Gefahr mehr darstellten, brachte uns der Aufzug in sekundenschnelle in schwindelnde Höhe zur Aussichtsplattform, die sich sehr schön und einladend präsentierte.

Durch die hohen Aussichtsfenster hatte man einen wunderbaren Rundumblick über die ganze Stadt. Bei guter Fernsicht würde man von hier bis zu den „Blue Mountains“ sehen können. Die hatten wir an diesem Tag leider nicht. Es war trübe und bewölkt. Trotzdem war der Blick auf die uns schon bekannten, aber auch auf die weiter entfernten und uns unbekannten Teile der Stadt sehr eindrucksvoll.  Aus der Höhe gesehen zeigte sich erst so richtig die Größe von Sydney und wie „verzweigt“ eigentlich der Hafen mit seinen unzähligen Buchten ist. Nun konnte ich sogar auf meine geliebten „Häuserriesen“ von oben drauf und über sie hinweg sehen.

Auch an Fernrohren und Informationstafeln fehlte es nicht. Praktischerweise waren die Aussichtsfenster leicht nach außen geneigt. So konnte man auch sehr gut „direkt“ nach unten schauen, ohne dass man mit dem Kopf an die Scheiben knallte.

Fotos habe ich nicht viele. Hier hatte ich mehr gefilmt.

Der Hyde Park mit dem Springbrunnen und der St. Marys Cathedral.

Leider gab es auf der Aussichtsplattform nur einen „Innenbereich“. Ich kann mich nicht erinnern, dass man auch irgendwo nach Außen konnte. Das hat sich aber in der Zwischenzeit geändert, wie ich der offiziellen Webseite des Towers entnehmen konnte. 2005 wurde der „Skywalk“ eröffnet. Nun kann man auch in 260 m Höhe am Dach des Towers auf schmale Stahlbrücken und diversen Glasplattformen im Freien über die Stadt schauen. Tut mir schon leid, dass es das bei uns noch nicht gab. Für soetwas war ich immer schon zu haben und ich hätte es sicher gerne ausprobiert.

So wie es aber aussieht, dürfte so eine Tour nur „geführt“ möglich sein und dass es ähnlich wie beim „Bridge Climb“ ablaufen würde – eben nur mit Tourguide, mit eigener Schutzkleidung und Sicherung und es dürfen keine persönlichen Dinge, wie Taschen oder Kameras mitgenommen werden. Die Australier sind ja doch immer sehr auf Sicherheit bedacht. Jedoch wenn ich mir den Preis dafür so anschaue (65,- AUD), weiß ich nicht mehr genau, ob ich es dann wirklich gemacht hätte.

Irgendwann hatten wir genug geschaut und fuhren mit dem Lift wieder abwärts und Elfie bekam natürlich ihren Flachmann wieder. 🙂

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Etwa 15o m weiter in der Market Street, befindet sich das Queen Victoria Building (QVB)  – ein imposanter, viktorianischer Sandsteinbau, 1898 ursprünglich für den Obst- und Gemüsemarkt der Stadt erbaut. Irgendwann verfiel das Gebäude immer mehr und nach umfangreichen und teuren Renovierungsarbeiten wurde es 1986 als Shoppingcentre neu eröffnet.
Auf vier Ebenen verteilen sich ca. 200 Boutiquen der gehobenen Preisklasse, sowie zahlreiche Restaurants und Cafés. Das Gebäude ist jedoch mehr als ein schnöder Einkauftempel. Mit seinen Buntglasfenstern, Mosaiken, dem großen Glasgewölbe und kunstvollen Details ist es auch im Inneren eine historische Sehenswürdigkeit. Am bekanntesten ist wohl die große, verspielte Uhr, die vom Dachgewölbe herunterhängt und stündlich eine andere Szene der englischen Geschichte zeigt.

Die „Royal Clock“ im Queen Victoria Building

Queen Victoria Building – Wikipedia
www.qvb.com.au

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Das Einkaufscenter wirkte wirklich sehr edel und fein. Für uns blieb es aber eher nur beim „anschauen“. Das meiste in den Geschäften lag nicht ganz in unserer Preisklasse. 🙂

Irgendwann im Laufe des Tages, trennten sich teilweise kurzfristig unsere Wege. Elfi und Herbert wollten das Sydney Aquarium besuchen. Darüber kann ich aber nichts berichten, weil ich ja nicht mit war. Ich bin mir auch nicht mehr sicher, ob nicht auch Hedy und Gerhard mal was anderes vorhatten. Auch über die genaue Reihenfolge unserer „Besichtigungen“ weiß keiner mehr von uns so genau Bescheid. Man darf ja nicht vergessen, es ist über 10 Jahre her.

Auf jeden Fall kamen wir irgendwann auch zur Oxford Street. Das ist im Grunde genommen eine Einkaufsstraße und Flaniermeile zugleich. Tagsüber lockt die bunte Vielfalt der verschiedensten Geschäfte – von Kleidung, über Kitsch und Ramsch bis zu Sex- und Fetischshops, Tatooläden, Cafés und Pubs ist hier alles dabei. Abends ist die Straße mit seinen Kinos, Bars, Discos und  Nachtclubs eine wahre Freude für Nachtschwärmer. Und weil wir ja schließlich brave Leute und nachts müde von unseren Besichtigungstouren waren, haben wir uns das Ganze am Tage angeschaut. Wir schlenderten die Straße auf und ab und waren anfangs erst mal amüsiert über die Auslagen mit den Federboas und Glitzerkleidchen, welche von den „Dragqueens“ bevorzugt werden, weil wir zuerst gar nicht mit so etwas gerechnet hatten.

Ich möchte auch noch erwähnen, dass schon damals Sydney – oder vielleicht auch Australien überhaupt – sehr offen und tolerant gegenüber Schwule und Lesben war. Ich wage zu behaupten, dass das in Österreich vor 10 Jahren so noch nicht wirklich der Fall war. Zumindest hatte ich bei uns nie ein Geschäft gesehen, welches explizit für diese Personengruppen ausgerichtet ist. Eigentlich kenn ich auch heut noch keins, was aber nicht heißen muss, dass es keine gibt.

Was ich so gelesen habe, dürfte es in Sydney eine recht große Schwulen- und Lesbengemeinde geben. Seit 1978 findet hier jedes Jahr das mehrtägige „Gay and Lesbian Mardi Gras“ Festival mit seiner bunt schillernden Parade in der Oxford Street statt. Dabei war bis 1984 Homosexualität noch eine Straftat. Gott sei Dank hat sich das ja geändert.

Ich habe mir eingebildet, dass mir in dieser Straße noch ein „Kuriosum“ aufgefallen war. Und zwar glaube ich mich zu erinnern, dass es Schilder gab, die besagten, dass es auf der einen Straßenseite ein Alkoholverbot gab und auf der anderen nicht. Mich hatte das damals noch gewundert, aber leider kann sich von uns niemand daran erinnern und auch sonst habe ich keine Informationen irgendwo darüber gefunden. Ist es möglich, dass ich mich da an etwas falsches erinnere?

Doch auf jeden Fall war dieser Tag auch noch ein besonderer Tag. Es war der erste Dienstag im November und der ist jedes Jahr der „Melbourne Cup Day“ – der Höhepunkt vom „Spring Racing Carnival„. Also, hier gehts um das bekannteste und wichtigeste Pferderennen Australiens, ausgetragen auf dem „Flemington Racecourse“ in Melbourne. Dieser Tag ist im Bundesstaat Victoria sogar ein Feiertag, aber auch in den anderen Teilen Australiens scheint das ganze Land zum Stillstand zu kommen. Nämlich um 15 h, wenn das wichtigste Rennen über die Bühne geht. Egal ob zu Hause, am Arbeitsplatz oder im Pub, überall wo es nur möglich ist, wird auf die Fernseher und Monitore gestarrt und dieses Rennen, das ja nur ein paar Minuten dauert, mitverfolgt.

Auch wir saßen zu dieser Zeit gerade im Gastgarten eines Pubs. Ob das in der Oxford Street war, oder anderswo, weiß ich nicht mehr. Wir waren noch vor 15 h gekommen und hatten noch schnell unsere Getränke bestellt bevor es losging und kein Kellner mehr für uns Zeit gehabt hätte. 🙂 Auch wir hatten so von Weitem ein bisschen was von dem Rennen mitgekriegt und natürlich ebenso von dem anschließenden Jubel der Leute. Und selbst hier in Sydney hatten wir an diesem „besonderen“ Tag ein paar Frauen mit schicken Kleidern und Hüten gesehen. Aber davon ein anderes mal mehr.

Abends ließen wir dann unseren letzten Tag beim Essen in einer italienischen Taverne ausklingen. Ich glaub, es war nicht weit entfernt von dem ersten italienischen Restaurant , in dem wir 3 Tage vorher gegessen hatten. Umso erstaunter waren wir, als uns wieder der selbe Kellner vom ersten Lokal bediente. Ja, genau der, der gerne und viel redete, versuchte Späßchen zu machen, die nicht gerade jeder lustig fand und unsere Hedy immer „the orange Lady“ nannte. Was heißen könnte, wie klein doch die Welt ist, oder doch vielleicht, dass die zwei Lokale irgendwie zusammen gehörten. Aber egal. Das Essen war gut und das war das Wichtigste.

In Australien gibt es noch eine kleine „Eigenheit“, was Restaurants betrifft. Sehr oft sieht man an der Tür die Buchstaben „B.Y.O.“ (= bring your own) stehen. Viele Lokale haben nämlich keine Lizenz um Alkohol zu verkaufen. Den darf man sich dann selber mitbringen. Gläser werden dann vom Restaurant bereit gestellt, wofür manchesmal eine kleine Gebühr verrechnet wird. Wein und Co. kann man aber nicht in den Supermärkten kaufen, sondern in „Bottleshops“. Und fast immer in der Nähe von Restaurants gibt es einen solchen. So haben wir uns auch meistens zu viert eine Flasche Wein gekauft und mit ins Restaurant genommen.

Überhaupt gingen wir dazu über, uns nur mehr in Vierergruppen an zwei Tischen zu setzen, da es so mit der Abrechnung leichter war. In Australien (wie auch in den USA) ist es nicht üblich, dass man einzeln oder paarweise bezahlt, sondern es wird pro Tisch abgerechnet. Bezahlt wird sowieso in der Regel mit Kreditkarte. Wir beide sind dann immer mit Gerhard und Hedy zusammengesessen und abwechselnd hat ein Paar bezahlt und das andere Paar hat dann seinen Anteil in bar an den „Zahlenden“ zurückgegeben. So hatte immer jeder für eine Weile genug Bargeld und man musste nicht so oft bei einem Automaten abheben. Das ging zwar einerseits recht problemlos mit der Bankomatkarte, aber trotzdem war es immer eine heikle Prozedur, bis man mal verstanden hatte, was der Automat von einem eigentlich wollte bzw. dass man ja die Fragen richtig mit „yes“ oder „no“ beantwortete, damit dann am Ende tatsächlich die erwünschten Scheinchen aus dem Schlitz herauskamen. Aber so wahnsinnig viel Bargeld brauchte man nicht. In Australien kann man fast alles mit Kreditkarte bezahlen.

Gleichfalls unüblich ist es (ebenfalls wie in den USA), dass man in ein Restaurant reingeht und sich einfach hinsetzt, wo man will, so wie man es eben von der Heimat gewohnt ist. Damit macht man sich wahrscheinlich nicht sehr beliebt. Man wartet beim Eingang bis man abgeholt und an einen freien Platz geführt wird.

Im Hotel angekommen, hieß es diesmal, alles einzupacken, denn am nächsten Tag ging unsere Reise weiter nach Melbourne. Die anfängliche Ordnung in den Koffern war nicht mehr ganz die selbe wie bei der Ankunft, aber ich versuchte mein Bestes um ein Chaos in Grenzen zu halten. Ich würde sagen, es ist mir auch noch ganz gut gelungen. Wir versuchten auch bald zu Bett zu gehen, denn am nächsten Morgen mussten wir zeitig aufstehen und eine lange Bahnfahrt wartete auf uns.

Die erste „Station“ unserer Reise und unser erstes großes Highlight konnte nun quasi „abgehakt“ werden und unsere Erwartungen wurden keinesfalls enttäuscht. Im Gegenteil! Sie wurden sogar übertroffen. Ich kann nun hier nur aus der Sicht von Poldi und mir schreiben, aber ich denke, dass es unseren Reisefreunden auch so ging. In den vier Tagen hatten wir so viel von Sydney gesehen, ihr Treiben und ihr Pulsieren gespürt, ihre historischen Ecken und Gebäude bestaunt, ihre Parks und Strände genossen, die Freundlichkeit und Offenheit der Leute erlebt und das eine oder andere Kuriosum bzw. uns Unbekannte entdeckt – kurzum,  wir hatten uns in Sydney verliebt. Wir würden, wenn es möglich wäre, Sydney jederzeit wieder besuchen. (Für vier von uns wurde dieser Traum auch wahr. Wir waren leider nicht dabei.)

Wir hätten es auch ruhig noch ein paar Tage länger hier ausgehalten, darum schwang doch etwas Wehmut bei dem Gedanken an die Abreise mit. Allerdings lockte aber ja auch die Neugierde und die Vorfreude auf die nächste Stadt und auf all das, was wir noch sehen und erleben würden.

Immerhin hatten wir noch 24 Reisetage vor uns. Und allein dieses Gefühl, war herrlich! 🙂

Australien 2001 – 6.11.01 – Sydney – Centre Point und Queen Victoria Building

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      Australien – 7.11.2001 (1. Teil) – Zugfahrt Sydney – Melbourne
Australien – 5.11.2001 – Sydney – Bondi Beach und Hafenrundfahrt

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Über Gabi

Ich bin hundenarrisch, fotografierwütig, Weinviertel-Liebhaberin, bergbegeistert, USA- und Australien Fan und in der Malerei versuche ich mich auch. Mein Blog: https://baumdaemon.wordpress.com/
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6 Antworten zu Australien – 6.11.2001 – Sydney – Centre Point Tower und City Spaziergang

  1. leonieloewin schreibt:

    Jetzt wo ich wieder zurück bin, habe ich den 4. Tag Deines Aufenthaltes in Sydney umso mehr genossen. Sehr ausführlich und anschaulich beschrieben und durch die vielen Fotos kann ich mir Deinen damaligen Tag gut vorstellen. Das Phänomen mit dem Verkehr kommt mir aus den asiatischen Ländern auch bekannt vor. Ich habe wie gewohnt geschaut und immer zur Sicherheit den Vorgang noch zweimal wiederholt. Es hat lange gedauert bis ich „umgestellt“ war. Liebe Grüße

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  2. Pit schreibt:

    Hallo Gabi,
    mal wieder ein sehr interessanter und auch lustiger Bericht: insgesamt sehr schön persönlich. Man fühlt sich richtig dabei beim Lesen.
    Einige Deiner Erfahrungen decken sich mit meinen beim Reisen:
    – Das „Kofferchaos“ kommt mir doch sehr bekannt vor! 😉 Besonders, wenn wir viele Orte eingeplant haben, mag ich nicht immer alles aus- und wieder einpacken, lebe also auch aus dem Koffer. Und da wird das Chaos dann eben von Tag zu Tag größer. Bis ich irgendwann ziwschendurch die Geduld verliere und aufräume. Aber das kann dauern. 😉
    – Für unsere Reisen nach Deutschland und England plane ich immer genau vor, einschließlich der Hotelbuchungen, auch wenn wir nur zu zweit sind. Aber da möchte ich einfach auf „Nummer Sicher gehen“ und wissen, wo – und auch dass – ich für die Nächte ein Unterkommen habe. Hier in den USA machen wir es normalerweise so, dass wir von Motel zu Motel „weiterbuchen“. Da so gut wie alle Motels heutzutage einen Internetanschluss haben und ich meinen Compi immer dabei habe, ist es kein Problem, über’s Internet das nächste Motel zu buchen. Und fast immer gibt es dabei auch noch einen Rabatt. Aber es kommt auch vor – wenn wir z.B. einen ganz bestimmten Ort im Visier haben – dass ich vorher buche. Werden wir z.B. wieder für Mai/Juni machen, wenn wir unseren diesjährigen Urlaub hier planen.
    – Zum Linksfahren: mit dem Fahren auf der linken Straßenseite hatte ich in England so gut wie nie Probleme. Wenn ich mal hier gefragt wurde, ob das denn nicht schwierig sein, habe ich immer gesagt, „Nein; es fahren doch alle links!“ Und auch wenn es sich blöd anhört, genau das ist es, warum es leicht ist. Die einzigen – wenigen – Problem hatte ich ein oder zwei Mal, als ich alleine auf weiter Flur war. Da bin ich schon mal beim Abiegen [180 Grad und in der Nacht] auf die falsche Straßenseite geraten. Aber da war eben kein anderes Auto da, nach dem ich mich richten konnte. Und – Gott sei Dank – eben auch keines, mit dem ich einen Unfall hätte bauen können. Probleme hatte ich dagegen einmal, als ich einen englischen Leihwagen hatte. Da fiel es mir sehr schwer, den richtigen Abstand vom linken Straßenrand zu halten, weil ich eben von meinen vielen Reisen mit meinem Auto in England gewohnt war, dicht am Straßenrand zu sitzen. Und nun, mit einem rechtsgesteuerten Auto, musste ich weiter weg sein. Das war nicht immer ganz einfach, und ich habe öfters mit den Rädern den Bordstein touchiert und mir sogar auch den linken Außenspiegel abgerissen, als ich zu dicht an einem geparkten LKW vorbeigefahren bin. Mit meinem eigenen Auto fand ich nur schwierig, auf zweispurigen Landstraßen zu überholen, weil ich da nur sehr schlecht am Vordermann vorbeischauen konnte, ob alles frei war. Das war ein ziemliches Problem die beiden Male, als ich mit einem Bootsanhäger unterwegs war. Ich erinnere mich nich gut, einmal fast eine halbe Stunde hinter einem landwirtschaftlichen Traktor „hergezockelt“ zu sein, weil für mich Überholen einfach zu riskant war, wöhrend die Engländer ganz leicht und locker mich und den Traktor überholten.
    – Das mit dem Getränke Mitbringen kenne ich auch aus England, habe es da aber nur selten erlebt. Wohl auch, weil wir fast immer in einem Pub gegessen haben.
    – Die Tatsache, dass man sich nicht einfach im Restaurant selber seinen Platz aussucht, kenne ich natürlich auch von hier in den USA, und ich finde das sehr gut. Denn so bekommt man immer einen Tisch für sich allein bzw. für die Gruppe, und es kommt nicht vor – wie bei uns in Deuitschland – dass Wildfremde an den Tisch kommen un dfragen, ob sie sich dazu setzen dürfen.
    So, nun ist mein Kommenar aber reichlich lang geworden, und ich mache mal Schluss.
    Liebe Grüße aus dem südlichen Texas,
    Pit

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  3. Gabi schreibt:

    Hallo Pit,
    kein Problem, wegen der Länge Deines Kommentars. Ich freue mich ja, wenn ich Feedback bekomme und auch lese, wie es so anderen auf Reisen geht.
    Zum „Kofferchaos“: wir standen ja noch am Anfang unserer Reise und da gings noch. Aber es steigerte sich von mal zu mal. 🙂
    Zu Hotel- oder Motel-Vorbestellungen: wie schon erwähnt, in Australien war alles vorbestellt. Bei unseren beiden nachfolgenden USA-Reisen waren nur jeweils das Hotel der ersten Nacht und bei unserer ersten Reise auch in Las Vegas. Ansonsten hatten wir uns jedes mal vor Ort erst was gesucht. Einen Laptop hatte ich damals nicht, wir hatten aber auch nie irgendein Problem. Im Gegenteil: so kamen wir zweimal zu recht „witzigen“ Unterkünften. Einmal ein allerwinzigstes Zimmer in Ajo, das, wenn wir zwei samt unseren Gepäck drinnen waren hoffnunglos „überfüllt“ war und einmal im Monument Valley ein Zimmer direkt am Hangar vom Flugplatz. 🙂 Vielleicht werde ich die einmal dazwischen hier zeigen, Denn bis ich zu den USA-Reiseberichten komme, wird es wohl noch ein zwei Jahre dauern. 🙂
    Linksfahren stand uns ja erst bevor, aber es funktionierte erstaunlicherweise recht gut.
    In den australischen Pubs gabs natürlich auch Alkohol, vornehmlich selbstverständlich Bier. Die Australier sind auch fleißige Biertrinker.
    Den Umstand, von einem Kellner in einem Restaurant einen Tisch zugewiesen zu bekommen, find ich auch nicht schlimm. Ist nur etwas ungewöhnlich für uns.
    Aber in einem Restaurant bei uns kommt es eigentlich nicht vor, dass sich jemand Fremder dazusetzt. Vielleicht in Kaffeehäuser, aber auch da höchst selten. In Berg- und Skihütten ist es aber durchaus üblich.
    lg Gabi

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  4. SchmidtsWife schreibt:

    Liebe Gaby, schön dass Dir Sydney so gut gefallen hat 🙂 Ganz anders als Pit muss auch ich zugeben, dass ich mit dem Linksverkehr echt richtige Schwierigkeiten hatte. Bis ich gefahrlos mit dem Auto unterwegs war, hat es ’ne Weile gedauert.;) Und mich auf die linke Seite auf einer Rolltreppe zu stellen, war mir auch irgendwie fremd 😉

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