Australien – 7.11.2001 (1. Teil) – Zugfahrt Sydney – Melbourne

Goodbye Sydney

Der Handywecker klingelte viel zu früh – zumindest für meine Begriffe. Aber es nutzte ja nichts. Wir mussten raus aus den Federn, machten uns wieder unser „schnelles Frühstück“, packten unsere restlichen Sachen zusammen, natürlich ja bedacht darauf, dass nichts liegen gelassen wurde und begaben uns zum gewohnten Treffpunkt in der Hotelhalle. Nachdem wir alle ausgecheckt hatten und die noch anfallenden Kosten bezahlt hatten, die bei uns nicht viel ausmachten, waren wir um 7 h abmarschbereit.

Das Taxi konnten wir uns sparen. Die 500 m zum Bahnhof schafften wir auch samt Gepäck zu Fuß. Bis auf einen Koffer, unseren Zweitkoffer, waren ja alle Trolley oder Koffer mit Rädern. Und den einen musste leider der arme Poldi tragen. Ich nahm unseren Trolley, der zwar um vieles schwerer war, aber immerhin auf Rädern bewegt werden konnte. Doch selbst da spürte ich das Gewicht unseres „Riesenbabys“ noch ordentlich.

Ich denke, es hatte recht amüsant ausgesehen, als wir so fast im Gänsemarsch hintereinander mit unseren Koffern, begleitet von dem recht lauten Abrollgeräusch der Räder, marschiert sind. Irgendwie hab ich da so ein gewisses Bild davon in meinem Kopf. 🙂

Beim Bahnhof angekommen, mussten wir ja im Grunde fast nichts tun, außer das Gepäck aufzugeben. Die Tickets hatten wir ja schon.. Na und welche Freude da die Leutchen bei der Gepäckabgabe über unseren und Gerhards „Schwergewicht-Trolley“ wahrscheinlich hatten! 🙂 Leicht möglich, dass wir sogar eine „Erschwernis-Zulage“ dafür zahlen mussten. Auf jeden Fall bekamen unsere beiden Koffer einen gut sichtbaren, rot knalligen (oder war er gelb?) Warnaufkleber worauf so was ähnliches stand wie: „Very heavy! Bend your knees…..“ usw.

Ich kannte bis damals ja keine ausländischen Bahnhöfe und eigentlich auch kaum österreichische. Wiener Westbahnhof, Südbahnhof und der in Amstetten waren so ziemlich schon das höchste der Gefühle und die sahen ja alle eher weniger einladend aus. Ganz anders hier. Zwar ist auch die „Sydney Central Railway Station“ wie es richtig heißt, schon ein sehr altes Gebäude, jedoch auf mich wirkte es innen sehr freundlich, hell und so sauber, sodass ich das Gefühl hatte, vom Boden essen zu können. (Das hätte ich auf unserem Westbahnhof nur gemacht, wenn ich kanpp vor dem Hungertod gestanden wäre. ;-)) Und natürlich war es komplett „rauchfrei“. Ich hatte aber auch gar nichts anderes mehr erwartet. Schön langsam wusste ich ja, wie die Australier in Punkto Rauchen tickten. 🙂

Bis zur Abfahrt um 7.55 h hatten wir noch etwas Zeit dieselbige zu überbrücken mit ein bisschen herumgehen, schauen und einkaufen des einen oder anderen Snacks. Ich glaube aber mich erinnern zu können, dass es später im Zug auch die Gelegenheit gab, Snacks und Getränke zu kaufen, damit wir auf der 10stündigen Fahrt nicht verhungern und verdursten würden.

10 Stunden Fahrt – eine doch recht lange Zeit. In mir weckte dieser Gedanke schon wieder ein leichtes, flaues Gefühl. Nicht dass ich auch Angst vorm Zugfahren hätte. Nein, im Gegenteil. Ich liebe es. Aber man muss sich eben auch in die Gedanken eines Nikotinsüchtigen hineinversetzen. 10 Stunden Fahrt bedeuteten mit größter Wahrscheinlichkeit auch wieder 10 Stunden aufgezwungene Nikotinabstinenz.

Ich sehe nun vor mir, wie Nichtraucher verständnislos ihren Kopf schütteln, was ich wiederum auch verstehe. Denn ich weiß heute, wie grotesk und „krank“ das alles klingt. Aber Raucher (und damit meine ich nicht Gelegenheitsraucher) sind nunmal Süchtige.Da kann man sagen was man will. Also ich war es auf jeden Fall. Nicht nur dass die Raucherei gesundheitsschädlich für sich und die anwesenden Leute ist, ist es aber auch in bestimmten Situationen ein gewisser Stressfaktor. Nämlich dann, wenn man wo nicht darf. Die Sucht veranlasste mich in dem Fall dazu, ewig nach Orten und Gelegenheiten zu suchen oder im Gedanken durchzuspielen, wo und wann ich rauchen konnte. Und gab es die nicht, wurde ich nervös. So viele andere Dinge konnte ich dadurch meist nicht wirklich genießen. Bin ich froh, dass das der Vergangenheit angehört. Heute brauch ich bei längeren Autofahrten keine Rauchpause mehr dazwischen, kann Bahnfahrten wirklich genießen und beim Fliegen kann ich mich voll und ganz auf meine Flugangst konzentrieren. 🙂

Aber damals eben noch „Süchtlerin“,  hatte ich an diese Situation schon vor Beginn unserer Australien Reise gedacht und mir zu Hause schon die Bahnstrecke im Internet angesehen und die Karte ausgedruckt. Man sieht darauf alle Haltestellen. Und ein paar davon sind mit roten Punkten gekennzeichnet, was mich vermuten ließ, dass es größere Haltestellen sein könnten und hier der Aufenthalt vielleicht ein bisschen länger sein könnte. Ob es da nicht vielleicht möglich wäre mal kurz auszusteigen….? 🙂 Die Hoffnung stirbt nie, sagt man. 🙂

Im Zug hatten wir schnell Sitzplätze gefunden, denn es waren nicht viele Passagiere unterwegs. Die Sitze waren denen in den Flugzeugen ähnlich. Mit verstellbarer Rückenlehne aber mit viel mehr Platz und Beinfreiheit. Die großen Fenster luden zu wunderbaren Ausblicken ein. Ich muss gestehen, solche Züge hatte ich bei der ÖBB auch noch nicht erlebt. (Auch das hat sich mitlerweile geändert.) Einzig die Nackenstütze war für mich wieder ziemlich störend. Darum sitze ich auf dem Foto auch gar so einesunken da. Naja, wir Kleinen habens halt auch nicht immer leicht.

Wie schon erwähnt, ich liebe Zugfahrten. Ich mag es, wenn die Landschaft an einem vorbeizieht. Gerne blicke ich auch auf die Häuser und in deren Gärten der Vor- oder Kleinstädte und beneide die Menschen oft für ihr schönes Heim und das idyllische Umfeld, in denen sie leben dürfen. Die Landschaft auf dieser Strecke ist ja fast durchwegs grün. Mit Wiesen, Weiden und Feldern. Das „rote“ Australien – der Inbegriff für dieses Land – ist hier noch weit entfernt. Neugierig strengte ich mich an, ob nicht vielleicht zufällig wo Känguruhs zu sehen wären. Das eine oder das andere mal, war ich schon fast überzeugt, welche in weiter Ferne zu entdecken. Doch ich denke, das war wohl ein Wunschgedanke und die braunen Gebilde waren vermutlich Baumstümpfe oder andere Weidentiere. 😉

Fotos gibt es, außer das oben von mir, welches wahrscheinlich Elfi gemacht hatte, leider von der Fahrt keine. Ich hatte ein bisschen gefilmt, weil ich die Landschaft etwas festhalten wollte. Doch bei meinem Glück kam fast jedes mal, wenn ich zum Fenster hinaus filmte, ein paar Sekunden später eine Böschung. Nach dem 6. Versuch habe ich es dann aufgegeben.

Schon bei der ersten Haltestation konnten Hedy und ich getrost aufatmen. Denn wir waren nicht die einzigen Süchtigen in diesem Zug und auch andere Personen nutzten diese Stops aus, um auszusteigen und eine – oder je nach Zeit auch nur eine halbe – Zigarette zu rauchen. Doch um ja nicht das rechtzeitige Wiedereinsteigen zu verpassen, hatte ich mich vorsichtshalber immer mit einer Hand am Einstiegsgriff festgehalten und hatte zumindest einen Fuß am Trittbrett. 🙂

So waren die „Raucherprobleme“ keine mehr und ich konnte die Bahnfahrt nun wirklich genießen.

Die Entfernung Sydney – Melbourne macht per Zug ca. 960 km aus und die Fahrt dauert laut Fahrplan von 7.55 h bis 18.15 h also 10 Stunden und 20 Minuten.  Mit dem Auto auf direkten Weg wären es ungefähr 882 km, für die man 10 1/4 Stunden Fahrzeit berechnen sollte. Also kaum ein Unterschied zwischen den beiden Reisearten.

Eine ganz schön gewaltig lange Strecke, die wir so bequem und stressfrei zurücklegen konnten. Dabei macht sie nur einen ganz kleinen Teil von diesem riesigen Land aus. Man kann sich ja fast gar nicht vorstellen, wie groß Australien wirklich ist.

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Es ist das einzige Land, das zugleich ein Kontinent ist. Zwar ist Australien der kleinste Kontinent, aber immerhin doch der sechstgrößte Staat.

Alleine die Nord-Süd Ausdehnung beträgt 3.700 km und die von West nach Ost 4.000 km. Mit seiner Gesamtfläche von 7,7 Mio km² kommt es der Größe Europas doch recht nahe. (Zum Vergleich: Europa 10,5 Mio km², USA 9,7 Mio km², Österreich 83.900 km²).

Die Entfernung zu Europa beträgt ca. 20.000 km, aber bis zur Antarktis nur 2.000 km. Es gibt sogar „Besichtigungsflüge“ dorthin. Aber Aussteigen in der Antarktis kann man nicht, sondern sie nur vom Flugzeug aus bewundern. – Dafür sind diese Ausflüge aber recht teuer.

Mit Australiens Einwohnerzahl von 22,3 Mio Menschen (Europa: 740 Mio, USA: 311,5 Mio, Österreich: 8,4 Mio) ist das Land recht dünn besiedelt. Auf einen km² kommen grad mal 2,7 Einwohner (Europa: 65/km², USA: 32/km², Österreich: 100,2/km²). Da steigt man sich nun wirklich nicht so schnell gegenseitig auf die Zehen. Jedoch ist die Bevölkerung  sehr ungleich verteilt. Ca. 80 % davon leben an den Küstengebieten und mehr als die Hälfte in den großen Städten.

Interessant auch, dass 85 % der Pflanzenarten und sehr viele Tierarten endemisch sind, also nur hier existieren. Aber davon vielleicht ein anderes mal mehr.

Und: das Oberhaupt Australiens ist immer noch Queen Elisabeth II.

Australien-Info.de
Wikipedia
Ingrids Welt

Australien hat 6 Bundesstaaten und 2 Territorien:

New South Wales (NSW)
Victoria (VIC)
Queensland (QLD)
South Australia (SA)
Tasmanien (TAS)
Australian Capital Territory (ACT)
Northern Territory (NT)

Außerdem gehört Australien noch ein paar Inseln und ein Stückerl der Antarktis.

Bis jetzt waren wir die ganze Zeit im Bundesstaat New South Wales, dessen Hauptstadt Sydney ist, unterwegs. Er hat den Beinamen „The Premier State“ (der erste Staat oder der beste Staat), ist der fünftgrößte und älteste Staat, nimmt ca. 1/10 der Gesamtgröße Australiens in Anspruch und ist 800.642 km² groß. Mit den 7,1 Mio dort lebenden Menschen ist „New South Wales“ der bevölkerungsreichste Staat, jedoch kommen nur 8,9 Einwohner auf 1 km². Die Landschaft zeichnet sich durch große Vielfalt aus. Man findet hier fruchtbare Küstenebenen, endlose Strände, zerklüftete Berghänge und weite, flache Ebenen mit Weide- und Ackerland.

Der höchte Berg ist der Mount Kosciuszko mit 2.228 m.

Vom Klima her sind die Sommer an den Küstengebieten heiß und die Winter mild und in den Bergen gibt es richtige Winter mit Frost und Schnee.

Australien-info.de
Ingrids Welt

((Alle Angaben habe ich aus den verschiedensten Quellen zusammengetragen und sie sind keine Garantie für Richtigkeit)

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Dieser Tag mit der Zugfahrt war natürlich im Gegensatz zu den anderen Tagen recht wenig „actionreich“. Darum wollte ich es ausnützen und hier ein paar Fakten über Australien schreiben. Vielleicht gibt es den Einen oder Anderen, den es interessiert.

Ansonsten empfand ich diese Zugreise als sehr wohltuend. Man hatte nach den vier doch recht anstrengenden Tagen, an denen wir viel unterwegs waren, nun die angenehme Möglichkeit sich zu entspannen und etwas auszuruhen. Man konnte lesen, plaudern oder ein bisschen dahindösen. Oder sich am „Naturfernsehen“ im Großbildformat erfreuen und dabei vielleicht ein paar vermeintliche Känguruhs beobachten.

Hedy und ich machten zudem zwischendurch auch mal etwas Bewegung. Und zwar bei den meisten Haltestopps standen wir (und auch ein paar andere) schon bereit beim Ausgang um schnell aussteigen zu können und um ein bisschen Frischluft und Anderes zu schnuppern. 🙂 Naja, mit einem besänftigten Nikotinteufel, der einem nicht dauernd im Ohr sitzt, lässt sich nun mal alles viel besser genießen. Außerdem sorgten wir damit für eine gewisse Belustigung bei unseren Mitreisenden. Ich glaube, die hatten uns manchmal ausgelacht.  – Na und sowas nennt sich Freunde! 🙂

Noch fuhren wir durch „New South Wales“. Irgendwann kurz nach „Albury“ und nach gut 7 Stunden Fahrzeit würden wir die Grenze zu „Victoria“ überschreiten (eigentlich „überfahren“, aber das klingt irgendwie blöd).

Selbst in dem jetzigen Bundesstaat hätte es noch so viel gegeben, was wert gewesen wäre, es sich anzuschauen. Z.B. die „Blue Mountains“ um nur eines davon zu nennen. Aber leider war es nicht möglich, „alles“ zu sehen. Bedauerlicherweise hatten wir ja nur 4 Wochen Zeit.

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Über Gabi

Ich bin hundenarrisch, fotografierwütig, Weinviertel-Liebhaberin, bergbegeistert, USA- und Australien Fan und in der Malerei versuche ich mich auch. Mein Blog: https://baumdaemon.wordpress.com/
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2 Antworten zu Australien – 7.11.2001 (1. Teil) – Zugfahrt Sydney – Melbourne

  1. leonieloewin schreibt:

    Danke, dass Du alles so genau beschreibst. So kann ich fast richtig mit Dir reisen. Liebe Grüße und ein schönes Wochenende Leonie

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    • Gabi schreibt:

      Freut mich, dass es Dir gefällt.
      Ist zwar recht mühsam und langwierig. Würde ich „nur“ einen Reisebericht schreiben, wäre ich viel schneller damit. Aber es ist ja meine Absicht, meine persönlichen Erinnerungen und Eindrücke niederzuschreiben.
      lg Gabi

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