Australien – 7.11.2001 (2. Teil) – Zugfahrt Sydney – Melbourne

Neue Stadt, neuer Bundesstaat.

Die Zeit im Zug verging meines Erachtens recht schnell und für mich wesentlich angenehmener und entspannter, als in einem Flugzeug und nicht nur, weil mir hier das „flaue“ Gefühl im Magen fehlte. Es gab hier zwar keine „Unterhaltungsmöglichkeiten“ wie Filme oder so, aber es tat sich einfach doch immer wieder was.  Beim Zug fahren sieht man einfach viel mehr von der Landschaft draußen und die Haltestops bieten auch immer eine Abwechslung. Und außerdem kann man jederzeit aufstehen, wann man will, ohne dass ein eventueller Sitznachbar dadurch ebenfalls dazu genötigt wird und man sich von seinem Platz wie ein Behinderter umständlichst „herauswurschteln“ muss. Im Flieger ist man doch auf seinem Sitz die meiste Zeit „eingesperrt“. Ich hasse dieses Gefühl. Entweder krebst das Flugpersonal ewig lange mit den Servicewägen durch die Gänge, sodass es unmöglich ist, daran vorbeizukommen, oder beim Essen selbst, wo jeder die Tischchen ausgeklappt hat und man auf gar keinen Fall rauskommt, oder selbst dann, wenn „Ruhe“ einkehrt und der Sitznachbar gerade ins Land der Träume entschlummert. Pech leider immer für die Leute, die neben mir sitzen müssen, weil nämlich ich nicht schlafen kann. Ehrlich gesagt, ich möchte mich selber nicht als Sitznachbarn haben. 🙂

Aber im Zug ist das ja alles kein Problem. Man hat Platz genug, kann die Beine ausstrecken, aufstehen wann man will und man hat sein gesamtes Handgepäck bei sich. So mag ich das.

Ungefähr die letzten drei Stunden fuhren wir dann schon durch einen anderen Bundesstaat, nämlich „Victoria“. Diesmal hatten wir noch das Glück, dass wir unsere Uhren nicht verstellen mussten, denn es gilt hier die selbe Zeit wie in „New South Wales“. Mit den Zeitzonen verwirre ich Euch vielleicht ein anderes mal.

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Der Bundesstaat Victoria im Südosten Australiens ist der zweitkleinste Bundesstaat  und nimmt ca. 3 % des Festlandes in Anspruch. Auf einer Fläche von 227.420 km² leben 5,4 Mio Menschen und mit  22,15 Einwohner pro km² ist es der am dichtesten besiedelte Staat, jedoch auch der grünste. Darum bekam er auch den Beinamen „The Garden State“.

Ein großer Teil davon wird landwirtschaflich für Getreide- und Gemüsefelder, Weinberge und Obstplantagen genutzt, jedoch bietet Victoria auch eindrucksvolle Küstenlandschaften, hohe Berge und weitläufige Hoch- und Regenwälder.

Das Klima ist mitteleuropäisch bis mediterran. Der Sommer ist warm bis heiß und der Winter mild und regenreich.

Victoria – Wikipedia
Victoria – australieninfo.de
Victoria – Ingrids Welt
Victoria – in-australien.com

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Melbourne ist die Hauptstadt Victorias und die zweitgrößte Metropole Australiens. Auf einer Fläche von 1.705 km² leben ca. 3,4 Mio Einwohner und somit 1.978 Einwohner pro km².

Man nennt sie wegen ihrer vielen Grünanlagen und Parks im englsichen Stil „die Gartenstadt“. In mehreren Jahren, so auch voriges Jahr 2011, wurde sie zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt.

Melbourne nennt sich selbst eine Theater- und Kulturhauptstadt. Die zahlreichen Museen, Galerien, Theater, Kinos und viele große Veranstaltungen bestärken diese Behauptung.

Auch für Sport haben die „Melburnians“ – wie die Einwohner Merlbourns genannt werden – einiges über. Das berühmte Pferderennen, das ich schon erwähnt habe, der „Große Preis von Australien“ der Formel 1 und die „Australien Open“ im Tennis sind wohl die bekanntesten Sportveranstaltungen.

Der Gründungsvater ist John Batman. Er hat 1835 das Land von den dort ansässigen Aborigines im Tauschhandel für eine größere Anzahl von Gebrauchtsgegenständen“gekauft“. Die Abmachung jedoch, dass diese „Waren“ jedes Jahr geliefert werden sollten, hatte er aber bald wieder „vergessen“. Mit dem Goldrausch in den 1850er Jahren erlebte Melbourne einen großen Aufschwung und es wurde zu einem Wirtschaftszentrum. Damals wie heute haben sich viele Einwanderer aus Europa und Asien angesiedelt, sodass viele „Vierteln“ entstanden. In Melbourne haben bis zu 140 Nationalitäten ihr Zuhause gefunden.

Das zentrale Geschäftsviertel bietet mit seinen modernen Hochhaustürmen einen dekorativen Kontrast zu den viktorianischen Sandsteinbauten aus dem 19. Jahrhundert und es wird versucht, ein harmonisches Gleichgewicht zu halten.

Stolz ist Melbourne auch für sein weitgespanntes Straßenbahnnetz. Die Straßen selbst sind schachbrettartig und rasterförmig angelegt, sodass man sich in der Stadt recht gut zurecht findet.

Während die „Sydneysider“ für ihren lockeren und entspannten Lebensstil bekannt sind, werden die „Melburnians“ eher als konservativ und seriös bezeichnet. Durch die Ansiedelungen von Banken und Finanzwesen herrscht in Melbourne eher eine hektische Betriebsamkeit, die eher an London oder New York erinnert.

Melbourne und Sydney dürften wohl immer schon Rivalen gewesen sein, wenn es darum ging, welche Stadt schöner, größer, lebenswerter, beliebter oder sonst was ist. Aber am allermeisten ging es um den Status der Hauptstadt Australiens. Immerhin wurde Melbourne von 1901 – 1927 diese Ehre zuteil. Um dem „Streit“ darum Einhalt zu gebieten, wurde 1908 der Bau einer neuen Stadt geplant – der zukünftigen Hauptstadt.

1913 wurde mit dem Bau begonnen und 1927 erhielt „Canberra“ im „Australian Capitol Territory“ den Status der Hauptstadt. Sowohl Sydney als auch Melbourne schauten durch die Finger. – Streiten sich zwei, freut sich der Dritte, oder so ähnlich. 🙂

Melbourne – Wikipedia
Melbourne – australieninfo.de
Melbourne – visitmelbourne.com

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Auch wenn das Zugfahren sehr angenehm war, waren wir nach über 10 Stunden Fahrzeit doch froh, als wir um 18.15 h pünktlich in der Flinders Street Station in Melbourne einfuhr. Immerhin wartete eine neue Stadt mit neuen Eindrücken auf uns.

Natürlich mussten wir erst mal unser Gepäck abholen, bevor wir das Bahnhofsgebäude verließen. Schon innen merkte man, dass auch dieser Bahnhof vom Bau her schon sehr alt war, aber trotzdem modern ausgestattet und auch so sauber, wie jener in Sydney war.

Doch erst im Freien erkannte man so richtig das Größenausmaß des alten viktorianischen Gebäudes. Auch optisch gab es was her. Mit seiner dunkelgelb/roten Fassade  stand es recht prachtvoll da und war ein richtiger Blickfänger. (→ Wikipedia)

Auf der Straße herrschte richtiges quirliges Treiben. Wir standen an einer Kreuzung von zwei wirklich breiten, mehrspurigen Straßen, die Fahrbahnen geteilt durch jeweils zwei Straßenbahngleisen mit den dazugehörigen Haltestellen, so wie wir es eigentlich auch von Wien gwöhnt waren.

Schräg gegenüber das Bahnhofs stand die mächtige St. Paul´s Cathedral und dahinter ragten die Türme der Hochhäuser in die Höhe. (Juchhu! Wieder Hochhäuser :-))

Wir nahmen uns ein Taxi und ließen uns in die 265-281 Little Bourke Street zu unserem Hotel bringen. Damals war es noch das „All Seasons Welcome“. Jetzt heißt es „Mercure Welcome„. Es dürfte sich aber nicht nur der Namen und wahrscheinlich die Leitung geändert haben, sondern auch die Qualität, denn auf „Tripadvisor.de“ sind viele negative Bewertungen zu finden. Es war sicher kein Top-Hotel, eben eher ein Mittelklassehotel, aber ich könnte mich nicht erinnern, dass es von uns aus irgendwelche Gründe zur Beanstandung gab. Jedoch dürften in den australischen Hotels mittlerweile auch Frühstückbuffets angeboten werden. Wie ich schon mal erwähnte, auf unserer Australien-Reise hatten wir bei keiner unserer Unterkünfte Frühstück dabei.

Aber immerhin gab es Raucherzimmer. 🙂 Dieses Mal waren wir nicht so hoch untergebracht. Das Zimmer war sicherlich einfach, aber es war auch wieder alles da, was man brauchte, von den Teebeuteln und Löskaffee samt Wasserkocher und Kekserln über Klimaanlage, Kühlschrank, Fernseher, Bügeleisen und Bügelbrett. Einzig die Aussicht aus dem Fenster war quasi keine. Es zeigte sich fast zum greifen nahe eine häßliche Ziegelmauer. Aber mein Gott, für die wenige Zeit, in der wir uns hier aufhielten, war das egal.

Der Aufenthalt in Melbourne war für 3 Nächte geplant. So haben wir auch hier wieder nur teilweise unser Gepäck ausgeräumt. Was in Sydney halbwegs geklappt hat, würde wohl auch in Melbourne funktionieren. 🙂

Später trafen wir uns alle wieder unten vor dem Hotel  Es war ja schon Abend und wir hatten nichts weiteres mehr vor, als Essen zu gehen. Das Hotel liegt in der schmalen „Little Bourke Street“, nur ein paar Schritte von der nächsten großen Straße, der „Swanston Street“ entfernt. Hier ging es recht betriebsam zu. Geschäfte, Restaurants und Fast-Food Lokale reihten sich aneinander. Alle paar Minuten fuhr eine Straßenbahn entlang und  Richtung Süden gelangt man in ca. 450 m direkt zur „Flinders Street Station“. Aber das war an diesem Abend ja alles noch nicht relevant. Doch immerhin fielen uns in unmittelbarer Nähe einige Lokale auf, die sehr günstig Frühstück anboten und so wussten wir schon, wo wir am nächsten Morgen hingehen würden.

Ebenfalls nahe beim Hotel begann „China Town“. Dass es hier ein asiatisches Restaurant neben dem anderen gab, brauch ich wohl nicht extra erwähnen. Wir wählten ein Thailändisches aus und ich denke, wir waren zufrieden damit. So oft asiatisch essen, wie in Australien, waren wir vorher wahrscheinlich unser ganzes Leben nicht. 🙂 Aber bei den kulinarischen Beratern an unserer Seite, war das ja überhaupt kein Problem.

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Australien – 8.11.2001 (1. Teil) – Melbourne – Victoria Market, Stadtrundfahrt und Botanischer Garten
Australien – 7.11.2001 (1. Teil) – Zugfahrt Sydney – Melbourne

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Über Gabi

Ich bin hundenarrisch, fotografierwütig, Weinviertel-Liebhaberin, bergbegeistert, USA- und Australien Fan und in der Malerei versuche ich mich auch. Mein Blog: https://baumdaemon.wordpress.com/
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Eine Antwort zu Australien – 7.11.2001 (2. Teil) – Zugfahrt Sydney – Melbourne

  1. leonieloewin schreibt:

    Hallo Gabi, da hast Du ja wirklich wieder ganz ausführlich berichtet. Du kommst in letzter Zeit mit Deinem Australienbericht ja ordentlich voran. Das freut mich für Dich. Ich lese das alles mit großem Interesse. Vielleicht habe ich ja eines Tages auch noch mal die Chance nach Australien zu kommen. Ich wünsche Dir einen schönen Tag und sende liebe Grüße Leonie

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