Abschied von Helmut

Preußendenkmal
Gestern musste ich die traurige Nachricht lesen, dass ein Freund in der Fotocommunity verstorben ist. Helmut, ein älterer Herr, der vor 2 Jahren einen großen gesundheitlichen Einbruch hatte, von dem er sich leider nie mehr so wirklich erholt hat. Doch immer wieder nahm er zuversichtlich einen neuen Anlauf.

Am 31. Dezember stellte er noch ein Foto mit Neujahrsgrüße ein, wo er wünschte, das neue Jahr möge nicht schlimmer verlaufen, als das Vergangene. Er entschuldigte sich noch für seine lange Abwesenheit, weil er wieder im Spital war. Auch schickte er noch an Freunde Grußkarten. Es klang alles sehr zuversichtlich und positiv, sodass es für mich trotz seiner angeschlagenen Gesundheit doch ein Schock war, gestern von seinem Tod zu erfahren.

Leider habe ich ihn nie persönlich kennen gelernt.

Und nun könnte man sich die Frage stellen, kann man jemanden, den man nur aus dem Internet kennt, tatsächlich als Freund bezeichnen?

Ich sage ja. Kann man. Und tue das auch.

Wir „kannten“ uns seit ca. 7 Jahren. Wir haben gegenseitig unsere Fotos betrachtet und Anmerkungen dazu geschrieben. Wir teilten unsere Interessen, wie die Liebe zur Fotografie und zu schönen Bildern. Er liebte so wie ich, die sanften Landschaften des Weinviertels, die Natur an und für sich, Blumen und Tiere. Durch die Fotos, die Texte, die er darunter schrieb und durch gelegentlichen email Austausch, hatte ich das Gefühl, ihn doch in einer gewissen Weise zu kennen, auch wenn wir uns nie Aug in Auge gegenüber standen. Und darum geht mir sein Tod näher, als ich es je vorher vermutet hätte. Und durch den gestrigen Austausch in der Fotocommunity mit anderen Freunden weiß ich, dass ich nicht die Einzige bin.

Mein Mitgefühl an seine Angehörigen. Es mag jedoch vielleicht ein schwacher Trost sein, dass nun sein Weg des Leidens ein Ende hat.

+++

Mich hat diese Nachricht gestern für eine Weile doch etwas aus der Bahn geworfen. Unweigerlich kamen Gedanken auf über das Leben und dem Tod. Und wie schnell es doch oft gehen kann, dass man einfach „weg“ ist oder einen lieben Menschen verliert.

Ich erinnerte mich auch daran, dass im letzten Vierteljahr auch drei Menschen aus unserem Haus gestorben sind.
Eine ältere Dame, mit der ich aber kaum Kontakt hatte.
Im Herbst ein Mann, etwas älter als ich, wo ich zu Zeiten, als unsere Kinder noch klein waren, zumindest mit seiner Frau und den Kindern mehr Kontakt hatte. Er hinterlässt auch noch ein minderjähriges Kind, das aus gesundheitlichen Gründen etwas mehr Zuwendung benötigt.
Und dann noch ein älterer Herr, ebenfalls Hundeliebhaber und -besitzer, mit dem man sich schon allein der Hunde wegen öfters mal austauschte. Er starb einen Tag vor Weihnachten.

Für die Angehörigen dieser Menschen wird vermutlich das heurige Weihnachtsfest nicht sehr schön und fröhlich abgelaufen sein. Auch hier mein Mitgefühl an sie.

+++

Mein heutiger Beitrag ist leider ein trauriger. Aber leider gehören diese Dinge zum Leben dazu.

Und es klingt ja wie eine Floskel. Aber ich denke nun unweigerlich daran, dass man tatsächlich das Leben genießen sollte. Man hat ja schließlich nur das eine.

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Über Gabi

Ich bin hundenarrisch, fotografierwütig, Weinviertel-Liebhaberin, bergbegeistert, USA- und Australien Fan und in der Malerei versuche ich mich auch. Mein Blog: https://baumdaemon.wordpress.com/
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25 Antworten zu Abschied von Helmut

  1. einfachtilda schreibt:

    ♥ ♥ ♥

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  2. giftigeblonde schreibt:

    Liebe Gabi!
    Ich kann deinen Worten nur zustimmen, allen.
    Aber ganz, ganz besonders deinen letzten, wie du weißt mußten wir das in unserer Familie 2013 auch miterleben, dass das Leben ganz schnell zu Ende sein könnte.

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    • Gabi schreibt:

      Ja, ich weiß. Wir sollten nicht nur selber das Leben so gut wie möglich genießen, sondern auch immer froh sein, dass die, die wir lieben da sind. So lange alles ok ist, nimmt man vieles für so selbstverständlich an.
      Ich hoffe, Deiner Mama gehts wieder gut.

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      • giftigeblonde schreibt:

        Genau.
        Meiner Mama geht’s soweit gut, aber ihr Gesundheitszustand wird nie wieder so sein, wie er vorher war.

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        • Gabi schreibt:

          Das tut mir sehr leid. Leider kenne ich das ja auch eben von meiner Mama und auch von anderen Personen. Das schmerzt sehr. Und man muss bedenken, dass die betroffenen Personen natürlich auch darunter leiden. Natürlich in erster Linie körperlich, aber es kann einem auch seelisch sehr zu schaffen machen, wenn man weiß, dass man nie mehr „richtig“ gesund wird. Schlimm ist das auch, wenn diese Erfahrung schon relativ junge Menschen machen müssen.
          Ich wünsche Deiner Mama alles Gute und dass sich wenigstens lange Zeit nichts verschlimmert.

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          • giftigeblonde schreibt:

            Na sie ist schon gesund, aber halt anders alles.
            Flugreisen traut sie sich nimmer zu machen, dabei ist sie so gern gereist, Sport detto, walken oder spazierengehen ist ihr geblieben.
            Das meiner Mama die immer aktiv war.
            Und sie meint es geht ihr alles langsamer von der Hand…
            Also nicht dass du glaubst es geht ihr schlecht, einfach anders ist ihr Leben geworden.
            DAnke für die Wünsche 🙂

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            • Gabi schreibt:

              Ich weiß schon, wie Du das meinst und so hab auch ich das gemeint. Es sind ja oft auch nur Kleinigkeiten, die sich ändern, die nicht mehr so gehen oder die man sich nicht mehr traut. Ein bissl kenn ich das ja auch schon von mir. Und das macht einem halt auch manchmal traurig und wenn noch ein paar andere Sachen blöd laufen auch unwirsch und grantig. – Bei mir ists halt manchmal so.
              Was sagt der Arzt zu Flugreisen?

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              • giftigeblonde schreibt:

                Wird nicht empfohlen, sie hat ja zig Klammern im Kopf,..seufz.
                Dabei ist sie so gern weit gereist.
                Es ist wirklich traurig.
                Andererseits wissen wir alle, dass es viel schlimmer hätte kommen können und wir froh sein müssen das wir sie bei uns haben können,…

                Aber es stimmt halt schon: Lebe jeden Tag als wäre es dein letzter,…

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              • Gabi schreibt:

                Verstehe. Da hätte ich auch bedenken.
                Weißt Du, darum bin ich wirklich froh, dass wir in den paar „Nicht-Hunde-Jahren“ doch ein paar Flugreisen gemacht haben. Und halt auch die drei „Großen“. Man weiß halt nie, was kommen wird.
                Das alles tut mir wirklich sehr leid für Deine Mama.

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  3. Alfred Paul schreibt:

    Hallo Gabi,
    auch ich habe einen Tag vor Heiligabend einen ehemaligen Arbeitskollegen ( 60 ), denn ich noch 10 Tage vorher zu Hause besucht hatte, verloren … Trauer ist etwas was uns verletzt, genauso wie Freude uns Glücksgefühle bereitet. Beides gehört zu unserem Dasein hier auf Mutter Erde. In der Trauer kann uns auch keiner wirklich Trost spenden, denn alle noch so gut gemeinten Worte, können nichts an dem Schmerz ändern, den man empfindet … leider ! Man muß aber auch bei aller Trauer, die Erlösung eines eventuellen Leidensweg’s sehen. Genau das, macht dann die ganze Sache wieder um einiges leichter.

    lg – ap

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    • Gabi schreibt:

      Das stimmt natürlich. Wenn jemand sehr krank ist, ist es unter Umständen eine Erlösung. Ganz schlimm ist es aber, wenn jemand, leider auch junge Menschen, z.B. durch einen Unfall ganz plötzlich aus dem Leben gerissen werden.
      Tut mir sehr leid, das mit Deinem Arbeitskollegen.
      LG Gabi

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  4. Der Emil schreibt:

    Mir ging es damals bei Agfa Box (ebenfalls in der fc, in der ich mich nach der Accountumstellung nicht mehr aktiv beteilige) ähnlich. Das, was früher als Brieffreundschaft auch über Ländergrenzen und Meere hinweg eine echte Freundschaft werden konnte, ohne daß sich die Freunde ja gesehen oder gesprochen hätten, das geht heute auch im Internet.

    Ich kann nicht wirklich mit Dir trauern, aber ich kann Deine Trauer tatsächlich verstehen. Und ich kann (wie ich das oft tu) auch für Helmut eine Kerze anzünden, hier in der Marktkirche.

    (Ganz nebenbei bemerkt: Ich scrollte ziemlich schnell durch den WordPress-Reader, konnte Deinen Namen nicht erkennen. Aber als das Bild über den Monitor huschte, wußte ich sofort, daß es von Dir ist.)

    „Heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens.“ (In Anlehnung an ein Buch von Elisbath Lukas.) Wieviele Menschen haben das schon gesagt. Und wieviele halten sich daran? Vielleicht schaust Du Dir mal den Beitrag „Heute“ von dieser Münchnerin an. Und ich erinnere mich an Dorothea und ihren Schwanengesang

    Vielen Dank, Gabi, daß Du mich an etwas wichtiges erinnert hast.

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    • Der Emil schreibt:

      Verlinkung ging eben schief. Heute.

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      • Gabi schreibt:

        Danke für den link. Ganz wunderbare Worte.
        Diesen Spruch kenne ich natürlich. Man würde sich gerne daran halten, aber entweder tut man es nicht, oder man kann es halt auch gar nicht so wirklich.

        Die Seite von Dorothea und ihren Schwanengesang kenne ich. Du hast vor langer Zeit mal darüber gepostet. Als ich damals die letzten Beiträge und DEN letzten Beitrag las, hatte ich Tränen in den Augen. Es hatte mich auch sehr betroffen gemacht, obwohl ich die Dame ja überhaupt nicht vorher kannte. So etwas geht einfach nahe.

        Danke auch für die Kerze für Helmut.

        Ich weiß nicht so genau, ob man dieses Gefühl wirklich als Trauer bezeichnen kann. Es ist doch etwas anderes, als wenn man jemand nahe stehenden verliert.
        Dennoch macht es traurig und betroffen. Und er wird mir in der Gemeinschaft fehlen, auch wenn diese „nur“ im Internet besteht.

        Freue mich, dass Du das Bild gleich als das meine identifiiziert hast. Fühle mich geehrt. Hab das auch schon von einem oder den anderen FC-Mitglied gehört (gelesen). 🙂

        Vielen Dank auch für Deinen Kommentar hier.
        LG Gabi

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  5. Giovanni schreibt:

    Sehr schöner Beitrag über eine andere Form der Freundschaft – und ja es gibt diese Art der Freundschaft sehr wohl, früher hieß sie Brieffreundschaft.
    Gerade durch das Schreiben lernt man einen Menschen und seine Einstellungen sehr gut kennen und ein unerwarteter Tod dieses Ansprechpartners trifft einem genau so, wie bei einer persönlichen Beziehung.
    Vielen Dank für Deinen Denkanstoß

    Cari saluti, Giovanni

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    • Gabi schreibt:

      Bitte schön. Und auch vielen Dank für Deinen Kommentar.
      Ich glaube sogar, dass man oft schriftlich mehr von sich offenbart, als gegenüber den Menschen, die man persönlich trifft. Manche Leute tun sich beim schreiben oft leichter, als beim reden.

      LG Gabi

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  6. World Whisperer schreibt:

    Liebe Gabi,

    ja, es gibt Freundschaften, die nur online stattfinden!
    Ich habe auch mal jemanden online kennengelernt, wir haben uns super verstanden und über 5 Jahre nur Emails geschrieben bevor wir uns mal auf einen Kaffee getroffen haben. Wir haben immernoch Kontakt, haben uns aber nie wiedergesehen.
    Sowas geht natürlich!

    lg Mel

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    • Gabi schreibt:

      Auch so etwas kenne ich. Man lernt sich online kennen, trifft sich einmal oder hie und da mal und bleibt schriftlich in Kontakt. Heute im online Zeitalter ist das ja auch viel einfacher geworden. Erstens lernt man viel leichter Leute mit gleichem Interesse kennen und es ist auch viel leichter, in Kontakt zu bleiben.
      LG Gabi

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  7. wildgans schreibt:

    Ja, man „kennt“ jemanden vielleicht manchmal MEHR per längerem www-Kontakt wie einen aus unmittelbarer Umgebung- man findet eher Menschen mit ähnlicher Wellenlänge….

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  8. Corinna schreibt:

    Es scheint wirklich, dass 2013 ein verlustreiches Jahr war. Ich fühle mit Dir und ich glaube gern, dass man über’s Interet Freunde finden kann, auch wenn man sie nie trifft. Man lernt sich doch über viele Jahre sehr gut kennen und die Partner, mit denen man sich so auf der gleichen Wellenlänge austauscht, fehlen einem als Ansprechpartner am Ende ganz genauso, wie jemanden, den man auch auf einen Kaffee treffen kann.

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  9. buchstabenwiese schreibt:

    Das tut mir leid. ♥♥♥

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